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Meine Makrofotografie-
ein Arbeitsablauf

 

Wenn ich frühmorgens aufbreche um einen tollen Fototag zu erleben, nehme ich drei Sachen mit. Mein Werkzeug, Zeit und viele Motive in meinem Kopf.

Bei meinen Streifzügen durch Wald und Feld finde ich ein Motiv, das sich mit einem meiner vorgefassten Bilder deckt. Ich sehe mir mal das Umfeld an. Wo kommt das her, warum ist das da.
Wie ist das Licht, wie kann ich den Hintergrund gestalten, usw.

Ich gehe vor dem Motiv in die Hocke, knie mich hin, bücke mich noch tiefer hinunter. Dann nehme ich die Kamera. Ich versuche
freihändig den optimalen Abbildungsmassstab mit dem idealen Hintergrund in Einklang zu bringen. Dabei spielt es eine große Rolle für die Bildgestaltung, ob der Hintergrund nahe oder weit entfernt, hell oder dunkel ist. Dann merke ich mir die beste Kameraposition und montiere das Stativ darunter. Das ist manchmal keine leichte Aufgabe, denn die Natur legt mir dabei oft Hindernisse in den Weg.

Befindet sich das Motiv wie so oft knapp über dem
Boden, hilft mir ein Winkelsucher.
Moderne Geräte dieser Art bieten ein seitenrichtiges voll übersehbares Sucherbild.
Für Komposition von Fotos bodennaher Objekte und deren längere Beobachtung ist ein Winkelsucher ein unersetzliches Zubehör.

Es gäbe jetzt auch noch  Hilfsmittel wie Makroeinstellschienen, mit denen sich die Kamera horizontal millimetergenau positionieren lässt und Hochformatwinkel, damit beim Wechsel von Quer- auf Hochformat das Objektiv in der optischen Achse bleibt. Aber das Aufstellen des Statives bleibt damit nicht erspart. Die Stabilität wird auch nicht besser und der Rucksack wird noch schwerer. 

 Ein wichtiges Werkzeug habe ich aber immer dabei.  Den Aufheller. Das ist ein flexibles, auf minimale Fläche zusammen-klappbares  kreisrundes Gerät, vorne Silber hinten Gold. So bietet es die Möglichkeit zwischen kalter und warmer Schattenaufhellung zu wählen.

So, jetzt steht die Kamera. Das Bild ist komponiert, Schatten aufgehellt, Schärfeebene des Objektes ist parallel zur Filmebene ausgerichtet. Den Hintergrund weich verlaufend unscharf zu gestalten und das Hauptmotiv gerade genug in die Schärfenebene zu legen ist die nächste Herausforderung. Eine Sucherlupe und die Abblendtaste sind dabei
sehr hilfreich.
  Nachdem die für die gewünschte Bildwirkung erforderliche Blende gefunden und eingestellt ist, gibts erstmal eine Pause.

Mal schauen welche Verschlusszeit der Belichtungsmesser ermittelt hat.

Jetzt kommen Faktoren ins Spiel, auf die der Makrofotograf keinen Einfluss hat. Der Wind und die Wolken. Vor allem der Wind. Jetzt entscheidet es sich, ob die Aufnahme so wie eingestellt überhaupt realisierbar ist. Oder ob ich wieder,  wie so oft einen Kompromiss eingehen muss.  Zwei Möglichkeiten bleiben zur Auswahl: Blende weiter auf, dann ist die Bildwirkung nicht mehr wie gewünscht, fällt also aus. Oder warten auf ein Windloch. Wenn man gewohnt ist von jedem Motiv eine Sicherungsaufnahme
zu machen, heisst das oft doppelt warten.

Manchmal aber sieht der Kompromiss so aus: Na jetzt bin ich schon sechs Stunden unterwegs und das Motiv ist ja wirklich nicht soo gut. Ich mache ein paar Fotos, vielleicht klappts ja doch. Ist ja schon alles auf- und eingestellt. Lieber auf einen Zufallstreffer hoffen, als gleich frustriert abbauen und zusammenpacken.

Schläft dann endlich der Wind für ein paar Sekunden ein und es kommt plötzlich die Sonne hinter den Wolken hervor, ist weiterhin Geduld und Ausdauer gefragt. Es ist wirklich leicht verständlich, wenn jemand erzählt, für ein Foto habe er über eine halbe Stunde gebraucht.

Mir ist am Liebsten wenn der Himmel eine durchgehende, nicht zu dicke Wolkenschicht hat. Das wirkt wie ein riesiger Diffusor und verhindert harte Schatten. Die Farben kommen so am kräftigsten und der Wind beruhigt sich auch öfter. Die Temperatur bleibt angenehm gleichmä
ßig, so lässt es sich genüsslich fotografieren.

 Wenn dann die
Dias vom Labor kommen und ich kann nach der zweiten oder dritten Gesamtsichtung auf dem Leuchttisch einige wirklich starke Makroaufnahmen in mein Archiv stellen, sind alle Mühen und Hindernisse vergessen. Es ist schon so, dass das Bild das Ziel ist. Aber der Weg dorthin, die Tätigkeit des Fotografierens, der kreative Prozess des Sehens und Gestaltens ist der Hauptgrund für meine Leidenschaft und genauso faszinierend.

Mittlerweile ist auch bei mir Digital ausgebrochen. Am  oben geschilderten
Ablauf hat sich nichts geändert. Aber eine große Erleichterung hat die digitale
Fotografie schon gebracht: die oft lästige Unsicherheit mit der Belichtung fällt jetzt durch die Kontrolle des Histogrammes weg.  Dafür kann ich mit verschiedenen Blenden
die Schärfentiefe variieren, mich intensiver auf die Windlöcher konzentrieren und
habe so schlussendlich eine höhere Trefferquote.

Bei alledem ist mir Eines wichtig:  Kein Naturfoto ist es wert, dass dafür mindestens ein Quadratmeter Flora durch die Plastikplane wo ich draufliege, plattgewalzt wird. Dann verzichte ich lieber auf das Bild.

Unsere amerikanischen Naturfotofreunde sagen:
"You only leave your footsteps
and you only take your pictures"

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